ein brief an betroffene eltern

Liebe Eltern,

heute schreiben wir Ihnen, um von unserer Arbeit und von MOKI zu erzählen. Wir wollen Sie mit in unseren Alltag nehmen und Ihnen Beispiele und Dinge erzählen, die wir jeden Tag erleben. Situationen, in denen Sie sich vielleicht wiederfinden, und durch die sie sich ermutigt fühlen, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Wir besuchen unsere Familien und kommen als Gäste. Nicht nur in der Wohnung oder dem Haus sind wir Gäste, sondern auch in deren Leben!
Niemand kennt die eigene Situation so gut wie die Eltern selbst selbst und somit achten wir „unsere Eltern“ als Experten ihres Lebens.

Jeder Hausbesuch ist wie eine Wundertüte. Wir wissen nicht, was an diesem Tag für die Eltern wichtig ist, wir sind aber da, egal was ihnen auf dem Herzen liegt.

Vielen tut es gut, einfach nur zu erzählen. Zu merken, dass jemand zuhört und auf die Situation verständnisvoll eingeht, erleben viele unserer Familien als wohltuend. Denn in vielen Lebenssituationen müssen die Eltern sich erklären und erleben, dass das Umfeld (z.B. Freunde, Bekannte, Lehrer) mit wohlgemeinten Ratschlägen darauf eingeht. Das ist oft nett gemeint, führt aber nicht immer dazu, dass sich die Eltern verstanden und in ihrer Lebenssituation abgeholt fühlen.

Die Ängste und Sorgen um das erkrankte Kind, das Gefühl den/dem anderen Kind/ern nicht gerecht zu werden, die eigene Erschöpfung können als sehr belastend erlebt werden, und führen nicht selten zu Konflikten in der Partnerschaft. Wir erleben Eltern, die sich trennen, da es keinen gemeinsamen Weg der Bewältigung gibt.

Viele Paare empfinden die Tatsache, dass der jeweilige Partner unterschiedlich mit der Situation umgeht, als Verletzung und Enttäuschung. Raum und Zeit füreinander bleiben in dem oft aufreibenden Alltag auf der Strecke….
„Wir können einfach nicht miteinander reden“…..hören wir häufig. Wenn es gewünscht wird, bieten wir Paargespräche an, um über bestimmte Themen und Fragen zu sprechen.

 

Annette und Rieke moki kinder jugend hospiz hannover

 

Die Situation, ein schwerkrankes oder schwerstbehindertes Kind zu haben betrifft die ganz Familie. Jedes Familienmitglied muss auf seine Art damit umgehen lernen, und das ist oft eine ganz schöne Herausforderung für den Einzelnen; aber auch für das Miteinander als Familie.

Unsere Familien erleben oft, dass sie mit dieser Situation alleingelassen werden, dass Freunde und manchmal auch die Angehörigen nicht damit umgehen können und sich aus Angst oder Unsicherheit zurückziehen. Keine unserer Familien möchte bemitleidet werden. Viele vermissen, dass man „normal“ und ungezwungen mit ihnen umgeht, dass Sie so wie es ist dabei sein dürfen und man in ihrer Gegenwart auch lacht und an ihrem Leben Anteil nimmt.

Beim Elternfrühstück* erleben wir genau das. Zwischen Lachen und Weinen liegen manchmal nur Sekunden, und genau das darf und soll sein! Vielleicht mag das für manchen befremdlich wirken, wenn er/sie dies liest. Aber wir erleben genau das und unseren Eltern tut es gut, dass es so sein darf.

Es gibt Tage, an denen die Eltern mit der Tatsache, dass das eigene Kind schwerkrank ist, gut umgehen können, gerade wenn es dem Kind selbst auch gut geht. An anderen Tagen kann derselbe Umstand die Eltern sehr traurig und verzweifelt sein lassen. Der Alltag ist dann kaum zu bewältigen. Wenn dann noch unvorhersehbare Dinge wie die Verschlechterung des Gesundheitszustandes, Ärger mit Behörden, ein blöder Anruf, Streit mit dem Partner oder eine Auseinandersetzung mit dem Geschwisterkind etc…dazukommen, ist jede Kraftreserve aufgebraucht.

Nicht selten ist es so, dass wir daraufhin einen Anruf oder eine WhattsApp bekommen und wir entweder am Telefon zuhören oder spontan hinfahren. Manchmal bedarf es keiner Worte und wir schweigen miteinander und tragen die Not mit, indem wir da sind.

Wir begleiten unsere Familien auf ihrem Weg, in allen Höhen und Tiefen. Wir bieten eine professionelle Beziehungssicherheit, auf die sich unsere Familien verlassen können. Wir sind da, wenn es gebraucht wird. Es gibt keine lange Warteliste, sondern wir kommen ganz zeitnah.

Wir können leider an der Diagnose nichts ändern, aber wir können unterstützen, damit Familien diesen schweren Weg bewältigen können. In dieser Hinsicht können wir auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Und unser Fachwissen als Familientherapeutin und Kunsttherapeutin bieten wir, wenn es gewünscht ist, ebenfalls gerne an. Ansonsten sehen wir uns als Wegbegleiterinnen, die an der Seite der Familie sind.

Wir hören häufig von den von uns begleiteten Familien: „Hätten wir doch schon früher von Euch erfahren, das hätte uns so gut getan.“ Wir sind für Eltern mit einem schwerstkranken oder schwerstbehinderten Kind ab der Diagnose da.
Sie dürfen sich gerne bei uns melden, denn jeder Weg hat einen Anfang. Sie müssen nur den ersten Schritt gehen, ab dem zweiten sind wir an ihrer Seite und begleiten Sie.

Herzlichst
Annette Seydlitz

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